014A_ Rudyak_ Lang

Asienwissenschaften in der Relevanzfalle? Wege zu größerer gesellschaftlicher Wirksamkeit

Panel organizers / moderators

Marina Rudyak (University Heidelberg)
Bertram Lang (Frankfurt University)

Diskussants

Sabrina Habich-Sobiegalla (FU Berlin)
Maximilian Mayer (University of Bonn)
Kristin Shi-Kupfer (University of Trier)

Panel abstract

Das Panel knüpft an das „Plädoyer gegen Polarisierung“ des DGA-Vorstandes an und möchte eine Diskussionsplattform zu Wegen größerer gesellschaftlicher Wirksamkeit und Sichtbarkeit der Asienwissenschaften geben.

Wie in einem Brennglas hat die Corona Krise seit Anfang 2020 lange bestehende Probleme der Sozialwissenschaften im Allgemeinen und der Asienwissenschaften im Besonderen aufgezeigt, ihre Erkenntnisse und Argumente wirksam in gesellschaftliche Diskussionen und politische Entscheidungen einfließen zu lassen. Das „Plädoyer gegen Polarisierung“ des DGA-Vorstands benannte in diesem Kontext wichtige Probleme, allerdings ist es mit einer ‚Ermutigung der Öffentlichkeit‘, sich mehr für Asienwissenschaften zu interessieren, sicher nicht getan.

Das vorgeschlagene Panel soll einen Austausch darüber befördern, wie die akademischen Asienwissenschaften selbst – auf individueller, institutioneller und struktureller Ebene – dazu beitragen können, die gesellschaftliche Resonanz sozialwissenschaftlicher Erkenntnisse in europäischen Debatten und politischen Prozessen nachhaltig zu stärken und so Polarisierungstendenzen entgegenzuwirken. Dabei soll es weniger um Fragen der klassischen Wissenschaftskommunikation gehen, die bereits von Universitäten professionell betreiben wird, sondern sich mit der gesellschaftspolitischen Relevanz von transdisziplinärem Wissenstransfer befassen. Hierzu gehört aus unserer Sicht ein breites Spektrum regelmäßigen, institutionalisierten Austauschs jenseits der universitären Fachwelt, das von Wissenschaftler*innen nicht durch – in der eigenen Freizeit verfasste – Gastbeiträge in Zeitungen abgedeckt werden kann. Dies umfasst außeruniversitäre Vorträge und wissenschaftliche Beratungstätigkeiten, institutionalisierte Zusammenarbeit mit Bildungseinrichtungen und duale Karrierewege für Asienwissenschaftler*innen ebenso wie Online-Kommunikation und Präsenz in sozialen Medien.

Dem transdisziplinärem Wissenstransfer derzeit mehrere strukturelle Probleme im Wege, darunter eine fehlende Preprint-Kultur, in der vorläufige Forschungsergebnisse ganz selbstverständlich online der wissenschaftlichen Community vorgestellt und von dieser konstruktiv diskutiert werden; eine – insbesondere im Kontrast zu den USA – mangelnde transsektorale Durchlässigkeit zwischen wissenschaftlichen Karrieren, externer Politikberatung durch Think Tanks und interner Politikberatung und -gestaltung in Ministerien und Parlamenten; sowie geringe Anreize für Wissenschaftler*innen, sich mit ’nicht-wissenschaftlichen‘ Publikationen in gesellschaftliche Debatten einzumischen.

Andererseits sollten vor dem Hintergrund der Relevanz von Asienwissenschaft kritisch hinterfragt werden, wie die wissenschaftliche Praxis und Themenauswahl selbst – insbesondere durch die Vergabe von Drittmitteln nach Kriterien direkter wirtschaftlicher oder politischer Verwertbarkeit – getrieben und verzerrt wird, ohne dass dies zwangsläufig zu einem besseren Verständnis asiatischer Gesellschaften beiträgt. Daher können sich Asienwissenschaftler*innen nicht damit begnügen, ihre eigene Forschungsagenda nach tagespolitischen Kriterien auszurichten, sondern müssen auch Möglichkeiten finden, die gesellschaftliche Resonanz für ihre eigenen Forschungsthemen zu erhöhen und so wirksamer zu einem vielfältigeren Asienbild in Deutschland und Europa beizutragen.

Das Panel soll gleichberechtigt Raum für zwei Arten von Beiträgen bieten: Einerseits grundsätzlichen Überlegungen zur Wissenschaftspraxis, Forschungsprozessen, Möglichkeiten und Anreize zu transdisziplinärem Wissenstransfer, Fragen zu Qualitätsstandards und -sicherung für außerwissenschaftliche Publikationen etc. Andererseits wissenschaftlichen Beiträgen und Forschungsprojekten zu gesellschaftspolitischen Fragen in Asien, die innovative Wege zur Vermittlung und Anwendung ihrer Ergebnisse beschreiten. Es handelt sich, laut Organisatoren, nicht um ein klassisches akademisches Panel. Daher ist auch das Format einer Fishbowl-Diskussion denkbar; dieses Format würde eine größere und dennoch fokussierte Diskussion ermöglichen. Die gesellschaftliche Rolle der Asienwissenschaften in der aktuellen Situation angesichts der zunehmenden Polarisierung bedarf einer angemessenen Plattform.