Postkoloniales China? – Sino-soziologische Betrachtungen (semi-) kolonialer Spuren in der chinesischen Gegenwart

Panel organised by: Marius Meinhof (Universität Bielefeld)
marius.meinhof@uni-bielefeld.de

Panel description

Kolonialismus hat die chinesische Moderne in vielfacher Hinsicht geprägt. Obwohl ältere Theorien, welche die Moderne in China ausschließlich als Antwort auf ausländische Einflüsse auffassen, inzwischen kaum mehr Zuspruch finden, lassen sich im gegenwärtigen China zahlreichen Spuren der kolonialen Vergangenheit nachweisen: Chinesischer Nationalismus entstand im Kontext von und in Auseinandersetzung mit westlichem (und japanischem) Kolonialismus. Viele Begriffe heutiger politischer und philosophischer Diskurse wurden in der Kolonialzeit durch japanische Übersetzungen westlicher Literatur in China bekannt. Die Konstruktion der Erinnerungen an Kolonialismus, nationale Demütigung und anti-koloniale Kämpfe sind Grundlage eines nationalen Narrativs in China. Auch die Rhetorik der chinesischen Entwicklungszusammenarbeit mit dem globalen Süden greift bis heute koloniale Bezüge auf. Dennoch versuchen nur wenige Chinaforscher, die Verbindung zwischen den gegenwärtigen soziokulturellen Konstellationen und Diskursen und der chinesischen. bzw. asiatischen Kolonialgeschichte explizit zu erschließen. Zwar existiert eine große Reihe postkolonialer Studien in chinesischer Sprache, und einige anglo-amerikanische Autoren haben versucht, Theorien einer „kolonialen Moderne“ (Barlow) in Ostasien zu entwickeln. In der englisch- und deutschsprachigen Forschung bleibt das Thema aber abgesehen von wenigen Ausnahmen wenig beachtet.

In einem interdisziplinären Panel setzen wir verschiedene gegenwärtige Phänomene mit Kolonialismus in Bezug. Die einzelnen Beiträge bringen sinologische Perspektiven auf längerfristige Zusammenhänge und Kontinuitäten und soziologische Perspektiven auf die Besonderheiten der „Reform-Era“ zusammen. Unsere gemeinsame Annahme ist dabei, dass der (Semi-)Kolonialismus in China in den 1940er Jahren tatsächlich zu Ende ging, dass das Land aber bis heute von verschiedenen Spuren und Erbschaften der Kolonialgeschichte geprägt ist. Dies betrifft nicht nur die anhaltende anti-koloniale Erinnerungspolitik und anti-imperialistische Rhetorik, sondern auch den noch immer sichtbaren Einfluss von Konzepten und Theorien, die in Auseinandersetzung mit und im Kampf gegen Kolonialismus geprägt wurden. Das Panel ist neben Beiträgen über China auch offen für Beiträge, die darauf eingehen, wie Kolonialismus und Erinnerungen an Kolonialismus heutige Beziehungen zwischen China und seinen Nachbarn beeinflusst haben oder beeinflussen.

Paper proposal

 
  • By submitting the above panel proposal I authorise the German Association for Asian Studies (DGA) and the conference organisers to store, process and publish my personal data collected in the above paper proposal form for the purpose of preparing, organising and documenting the German Association for Asian Studies’ (DGA) biannual Conference on Contemporary Asia 2019 (“the conference”) and as far as necessary for the fulfilment of the statuary purpose of the association (§ 2 DGA statutes). At the same time I agree that my participation in the conference may be recorded audio-visually and that this material may be published within the context of reporting on the conference in printed materials as well as online. The DGA and the conference organisers will store and process all personal data in accordance with the EU General Data Protection Regulation.
 

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