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Die“Manzhouguo-Identität“ – Akteure, Institutionen und Diskurse zur Schaffung einer transnationalen Identität für die Bewohner des Staates Manzhouguo (1932–45)

Panel organised by: Anke Scherer (University Bochum)

2021@dga-conference.de

Panel topic

Der Ausbau des japanischen Einflusses in Nordostasien, der 1932 in die Gründung des Marionettenstaats Manzhouguo (Manshūkoku) und dessen anschließender Kontrolle bis zum Kriegsende 1945 durch die Kantō-Armee mündete, wurde auf Seiten der involvierten vor allem japanischen Akteure begleitet von Anstrengungen, eine „mandschurische Identität“ zu schaffen. Zwar gab es im kurzlebigen Staat Manzhouguo nie ein Gesetz zur Einführung und Regelung einer Manzhouguo-Staatsangehörigkeit, weshalb die japanischen Militärs, Bürokraten und andere Zivilisten, die das Land beherrschten, weiterhin die japanische Staatsangehörigkeit behielten und die restlichen Bewohner des Landes in Gruppen mit ethnischen Herkunftsbezeichnungen wie mandschurisch, chinesisch, mongolisch und koreanisch einteilten. Auf der Ebene von wissenschaftlichen Diskursen, medialen Repräsentationen und Bevölkerungspolitik wurde aber durchaus eine „Manzhouguo“- Identität entwickelt, die unter anderem auch das koloniale Projekt der japanischen Beherrschung des neuartigen Vielvölkerstaats rechtfertigen sollte.

Panel description

Das Panel vereinigt unter der Fragestellung nach den Akteuren, Institutionen und Diskursen, die an der Schaffung einer transnationalen Identität für die Bewohner von Manzhouguo beteiligt waren, Beispiele aus dem Bereich der Wissenschaft (Archäologie bzw. Ethnologie), Medien (Film) und Politik (Wohlfahrt bzw. Gemeinwohl), um zu zeigen, wie diese Identität im Einzelnen geschaffen werden und beschaffen sein sollte.

Aline Dreher: Japanische Kolonialarchäologie in der Mandschurei – Die Schaffung einer „Manzhouguo-Identität“ durch archäologische Konzepte?
Ab den 1930er Jahren wurden die im archäologischen Diskurs bislang dominierenden rassentheoretischen Konzepte zur Herkunft und Verwandtschaft von Volksgruppen in Ostasien zunehmend durch kulturtheoretische Ansätze abgelöst. Grundsatz dieser aufkeimenden Theorien war die Annahme, dass sich nationale und transnationale Identitäten nicht rein auf „rassischen“ Verwandtschaftsbeziehungen begründen, sondern durch dynamische Prozesse – das heißt im archäologischen Verständnis vor allem durch kulturellen Austausch – geformt werden. Besonderen Anklang fanden diese Ansätze im Kontext der politischen Entwicklung in der Mandschurei, die zur Gründung des Marionettenstaates Manzhouguo führte, da diese, im Gegensatz zu den rassentheoretischen Konzepten, die Konstruktion einer „Manzhouguo-IdenXtät“ zur Legitimation des Vielvölkerstaates unter japanischer Vorherrschaft untermauerten. Diese Verbindung von Archäologie und kolonialer Politik kommt nicht nur in den Forschungsarbeiten einzelner Kolonialarchäologen wie etwa in denen von Yagi Sōzaburō (1866-1942) zum Ausdruck, sondern manifestierte sich ebenso in der Museumspolitik des Nationalmuseums von Manzhouguo (Manshūkoku kokuritsu chūō hakubutsukan), das als staatliche Institution die Aufgabe übernahm, eine „Manzhouguo- Identität“ in der Öffentlichkeit zu propagieren.

Anke Scherer: Die „Manzhouguo-Identität“ und der Plan zur Schaffung einer neuen ostasiatischen Moderne
In der zeitgenössischen Propaganda bemühte sich der Staat Manzhouguo darum, als Ort einer ostasiatschen Moderne zu erscheinen. Seine Bewohner sollten aus modernen Lebensverhältnissen und öffentlicher Ordnung eine gemeinsame transnationale Identität ableiten und sich besonders in den Städten als Repräsentant*innen einer asiatischen Avantgarde fühlen. Dieser Vortrag untersucht in diesem Zusammenhang den Diskurs über Ordnung, Hygiene, Gesundheit und Wohlfahrt als Grundlage für ein modernes „gutes Leben“, das ein wichtiger Teil der „Manzhouguo-Identität“ sein sollte.

Shiro Yukawa: „Manzhouguo-Identität“ im und durch Film?
Ausgehend von der Grundannahme, dass das filmische Medium mittels seiner (audio) visuellen Beschaffenheit verschiedene ethnische Gruppen propagandistisch am effizientesten hätte erreichen können, baute der Staat Manzhouguo eine Filmindustrie mit Verleih und Kinonetzwerk auf und versuchte dort produzierte Filme möglichst allen Bewohnern im ganzen Land zu zeigen. In diesem Vortrag wird anhand von filmischen und schriftlichen Quellen gezeigt, wie Manzhouguo in solchen Filmen (re)präsentiert wurde, und untersucht, ob und in wie weit diese zur Etablierung einer nationalen Identität Manzhouguos bei ethnisch wie kulturell heterogenen Zuschauern beitrugen.

Das Panel findet in deutscher Sprache statt.

Paper proposal

 
  • By submitting the above panel proposal I authorise the German Association for Asian Studies (DGA) and the conference organisers to store, process and publish my personal data collected in the above paper proposal form for the purpose of preparing, organising and documenting the German Association for Asian Studies’ (DGA) biannual Conference on Contemporary Asia 2019 (“the conference”) and as far as necessary for the fulfilment of the statuary purpose of the association (§ 2 DGA statutes). At the same time I agree that my participation in the conference may be recorded audio-visually and that this material may be published within the context of reporting on the conference in printed materials as well as online. The DGA and the conference organisers will store and process all personal data in accordance with the EU General Data Protection Regulation.
 

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