Das Zusammenwirken von Klientelismus und Populismus im Demokratisierungsprozess des modernen Asiens

Panel organised by: Sang-Hui Nam (Universität Bamberg)

Panel description

Die geplante Sektion ist ein theoretischer und empirischer Beitrag über das Zusammenwirken von Klientelismus und Populismus im Demokratisierungsprozess des modernen Asiens. Im Zentrum steht die Annahme, dass demokratische Institutionen auf der Basis formaler und periodischer Wahlen nicht im Widerspruch zu informellen Institutionen stehen. Es gilt: Institutionen sind stabil, insbesondere wenn sie in der Geschichte so tief verankert sind wie der Klientelismus.

Der Begriff „politischer Klientelismus“ bezeichnet eine asymmetrische und persönliche Beziehung zwischen interagierenden Akteuren. Während Vertreter der klassischen Modernisierungstheorie lange den Schwund des Klientelismus prognostizierten, deuten mittlerweile zahlreiche Befunde darauf hin, dass dieses System nicht nur in den meisten traditionell geprägten lateinamerikanischen und asiatischen Ländern, sondern auch den liberalen Demokratien des Westens an Bedeutung gewonnen hat. Klientelismus und Demokratie können somit nicht mehr als gegensätzlich gelten, vielmehr handelt es sich um komplementäre und einander funktional stützende Systeme.

Die meisten wissenschaftlichen Studien über den Populismus fokussieren auf den lateinamerikanischen Ländern, gefolgt von den süd- und ostasiatischen Ländern. Seit dem jüngsten politischen Rechtsruck vor allem in den westlichen Industrienationen, die weithin als normatives Leitbild der Demokratie gelten, wird das Phänomen oft unter globalen und überregionalen Gesichtspunkten untersucht. Die konkreten Ausformungen des Populismus variieren dabei je nach den spezifischen Konzepten und Praktiken der Demokratie, die sich in den einzelnen Ländern im Laufe der Entwicklungsgeschichte institutionell etabliert haben.

Trotz der in vielen Ländern häufig auftretenden Parallelität von Populismus und Klientelismus wurden beide zumeist kultur- und länderspezifisch getrennt untersucht. Es mangelt daher an systematischer Konzeptualisierung der wechselseitigen Beziehungen, die sich konflikthaft, konsensuell oder kompromissfähig ausgestaltet werden können. Die dynamischen Aushandlungs- und Anpassungsprozesse zwischen Klientelismus und Populismus im Demokratisierungsprozess finden dabei wenig Beachtung.

Vor dem Hintergrund werden die Veranstaltungen der geplanten Sektion folgenden Fragen nachgehen: Wie wirken Klientelismus und Populismus aufeinander? Unter welchen Bedingungen kommt es zu welcher Zusammenwirkung? Wie verändern sich deren Beziehungen über Zeit und warum? In welchem Zusammenhang stehen populistische Mobilisierungen und klientelistische Netzwerke im Demokratisierungsprozess zueinander? Hierfür suchen wir sowohl nach empirisch wie auch konzeptionell motivierten Beiträgen, die bestehende Modernisierungsthesen kritisch hinterfragen, die Veränderungen ihrer wechselseitigen Beziehung in den Blick nehmen, oder zu weiterem Nachdenken über die Varianten des Zusammenwirkens von Klientelismus und Populismus im Demokratisierungsprozess anregen.

Paper proposal

 
  • By submitting the above panel proposal I authorise the German Association for Asian Studies (DGA) and the conference organisers to store, process and publish my personal data collected in the above paper proposal form for the purpose of preparing, organising and documenting the German Association for Asian Studies’ (DGA) biannual Conference on Contemporary Asia 2019 (“the conference”) and as far as necessary for the fulfilment of the statuary purpose of the association (§ 2 DGA statutes). At the same time I agree that my participation in the conference may be recorded audio-visually and that this material may be published within the context of reporting on the conference in printed materials as well as online. The DGA and the conference organisers will store and process all personal data in accordance with the EU General Data Protection Regulation.
 

Verification